Gebäudeschadstoffuntersuchungen


Vor dem Hintergrund eines in den letzten Jahren rapide steigenden Bedarfs an Flächen gerade in dicht  besiedelten Gebieten fokussiert die städtebauliche Planung in Deutschland und der Schweiz auf einer Entwicklung der Innenbereiche. Die Inanspruchnahme bebauter Grundstücke, die einer gewerblich-industriellen Nutzung unterlagen aber auch gewöhnliche Wohn- und Bürogebäude bedürfen wegen potentieller Kontaminationen der Bausubstanz im Vorfeld einer Gebäudesanierung oder eines Rückbaus einer besonderen Betrachtung.

Nach den Zeiten prominenter Sanierungsprojekte vergangener Jahrzehnte in Deutschland (Rückbau Volkskammer "Palast der Republik" Berlin-Mitte, ehemaliges Abgeordnetengebäude "Langer Eugen" Bonn) ergeben sich aktuell neue Handlungsfelder. Das Gefährdungspotenzial verdeckt eingebauter asbesthaltiger Baustoffe wie mineralische Putze, Spachtelmassen und Dünnbrettkleber (Fliessenkleber) kann trotz einer in der Regel unsystematischen Verteilung sicher in Gebäuden identifiziert werden.

 

In der Schweiz beschränken sich  sogenannte Gebäudechecks entsprechend baubehördlicher Auflagen auf die Ermittlung der Schadstoffe Asbest, PCB (in einigen Kantonen auch CP) und PAK. Aktuelle Diskussionen in Fachgremien unterstreichen die Erwartung, dass ähnlich wie in Deutschland eine breite Palette weiterer baurelevanter Schadstoffe in die Untersuchungsprogramme aufgenommen werden.

Fallbeispiel "Pförtnerhaus" Aktienmühle Basel: Verbau von asbestzementhaltiger Dacheindeckung. Fest gebundener Asbest mit geringer potenzieller Freisetzung. Relevante Exposition von gefährlichen Asbestfasern bei Reparatur- und Rückbauarbeiten (Entsorgungsrelevanz/Arbeitsschutz).

Schadstoffchecks basieren auf einer Ortsbegehung durch einen qualifizierten Spezialisten (Gebäudeschadstoffexperten), der die Bausubstanz einer visuellen Begutachtung unterzieht.  Gezielte Probenahmen und eine Schadstoffanalytik in zertifizierten Partnerlabors dienen der Identifikation und Quantifizierung von Schadstoffgehalten in verdächtigen Baustoffmatrizes. Ein qualifiziertes Schadstoffgutachten enthält neben einer detaillierten Dokumentation und Aufstellung von Fundstellen (Fotos, Pläne) auch eine Risikobewertung und leitet daraus konkrete Sicherungs- und Sanierungsmassnahmen sowie Kostenprognosen ab. Ergänzt werden die Gutachten ggf. durch Massenaufnahmen belasteter Bauteile als Grundlage für die Erstellung eines Rückbau- bzw. Entsorgungskonzepts.

 



Fallbeispiel Gesamtschule Rheinland-Pfalz: In den Schulgebäuden aus den 70er Jahren wurden verbreitet Dämm- und Isolationsmaterialien eingebaut (Im Bild KMF-Dämmmaterial in einem Jalousieschacht an der Aussenfassade). Die verwendeten künstlichen Mineralfasern-KMF sind zu den sogenannten "alten Mineralwollen" der Kanzerogenitätsstufe K 2 zu zählen. Da bei der Sanierung der laufende Schulbetrieb in den benachbarten Gebäuden und Containern auf dem Schulgelände aufrecht erhalten wird, sieht die Sanierungsplanung eine Abschottung und Sicherung der Sanierungsbereiche vor (Einrichtung von Schwarz-Weiss-Bereichen).

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